TMK Seeham
Chronik

Chronik

Die Geschichte der Trachtenmusikkapelle Seeham

Die Musikkapelle Seeham wurde im Jahr 1870 vom damaligen Schulleiter Bartholomä Wörnhard gegründet und bestand aus 14 bereits mit einer Uniform ausgestatteten Musikern. Aus dieser Zeit sind eine Klarinette, handgeschriebene Marschbücher und eine erste Fotografie erhalten.

Bereits 1875 verstarb der Gründungskapellmeister. Bis zur Übernahme der Kapelle 1891 durch Anton Thiele, Friedhofkrämer in Seeham, spielten die Musiker aber regelmäßig bei verschiedenen Anlässen, wie bei Hochzeiten, Begräbnissen, Umzügen und beim geselligen Zusammensein im Wirtshaus auf.

Als 1902 Kapellmeister Anton Thiele von Seeham nach Nussdorf übersiedelte, war die Musikkapelle Seeham wieder ohne Führung. Weil die Musker aus Obertrum und Seeham schon öfter gemeinsam aufspielten, vereinigten sie sich zu einer stattlichen Kapelle. Aus dieser Zeit ist ein Foto mit Aufnahme beim damaligen Bierkeller in Seeham, jetzt Kellerwirt, erhalten.

Bedingt durch den 1. Weltkrieg (1914 bis 1918) finden sich erst wieder 1920 Aufzeichnungen über musikalische Tätigkeiten einer Kapelle in Seeham. Die Gebrüder Hans, Franz, Gregor und Friedrich Altendorfer (Aigen) gründeten gemeinsam mit Musikern aus Obertrum die „Hörndlmusik“.

1923 wurde die Muskkapelle Seeham wiedergegründet. Es wurden Instrumente angekauft und neue Musiker von den Lehrmeistern „Postoffizial Wallner“ und „R. Rang“ unterrichtet, sodass wieder ein guter Klangkörper entstand. Die wöchentlichen Proben wurden in der Stube des Lipp`n-Bauern in Hub abgehalten. Mit zweieinhalb Märschen und ein Dutzend Tanzl`n konnte die Kapelle zur ersten Ausrückung beim Heimkehrerfest am 11.11.1923 antreten. Ab diesem Zeitpunkt wurde auch die bis heute lückenlose handschriftliche Chronik und ein Kassabuch geführt.

Dieses Foto zeigt die Kapelle bei einer ihrer ersten Ausrückungen zum Musikerfest nach Seekirchen. Der offene Wagen Marke „Saurer“ war das erste Automobil in Seeham, welcher im Besitz von Rudolf Waltran und Matthias Simmerstatter war. Dieses „Taxi“ stand jedoch (aus finanziellen Gründen) nicht immer zur Verfügung. Wie die Chronik berichtet, war man bei vielen Ausrückungen, wie z.B. 1924 zum Musikerfest nach Anthering auf „Schusters Rappen“ unterwegs. Bei diesem Fest begleitete erstmals eine Marketenderin (Lisi Pichler) die Musiker. Dabei wurde das noch heute in Verwendung stehende Trinkhorn mit sehr viel Bier eingeweiht.

1927 bekam die Kapelle eine vollständige Uniform. Diese wurde von Schneidermeister Ulrich Babler angefertigt und zur Gänze aus den Einnahmen des Parkfestes (öS 1.200,- lt. Kassabuch) finanziert. Die 17 Musiker vor dem Gasthaus Kellerwirt sind von links nach rechts: Simon Pötzelsberger Schuhloisen, Berndorf und Anton Moosbauer Linabauer, große Trommel (vorne liegend); Hans Altendorfer, Aigen, Bassflügelhorn, Franz Altendorfer, Aigen, Stabführer, Friedrich Altendorfer, Aigen, Kapellmeister, Lisi Pichler, Marketenderin, Johann Wallner, Franzlbauer, Bassflügelhorn, Josef Altendorfer, Eisenharting, F-Helikon (erste Reihe); Franz Kaltenegger, Taubinger, B-Helikon, Johann Pötzelsberger, Lippn, Flügelhorn, Gregor Altendorfer, Aigen, Flügelhorn, Peter Rosenstatter, Schießentobel, Flügelhorn, Rudolf Waltran, Krämer, Es-Klarinette, Franz Hetzeneder, Tischler, B-Klarinette ; Franz Kaltenegger, Dorf, B-Trompete, Johann Dirnberger, Turer, Es-Trompete, Johann Dirnberger, Nazn, Posaune, Albert Pötzelsberger, Hub, Es-Trompete.

1930 wurde Friedrich Altendorfer von seinem Bruder Hans (Veitlwirt) als Kapellmeister abgelöst.  Trotz des 2. Weltkrieges (1939 bis 1945) konnte der Musikbetrieb mit Einschränkungen aufrecht erhalten und 1946 mit 11 Musikern fortgesetzt werden. Mit den Kriegsheimkehrern und jungen Musikern beschloss man 1948 die Kapelle neu einzukleiden. Beim Schneidermeister Simmerstatter wurden weiße Blusen aus Seehamer Bauernleinen in Auftrag gegeben. Etwas später wurde die Uniform mit weißer Tellerkappe und Schwarzen Hosen vervollständigt.

Ergänzend zur weißen Uniform wurde 1957 eine Uniform bestehend aus graublauem Loden mit ebensolcher Tellerkappe und schwarzer Hose angeschafft.

Durch steigende musikalische Anforderungen und der ständig größer werdenden Kapelle entschloss man sich 1960 neue Instrumente mit geänderter Stimmung anzuschaffen. Die dafür erforderliche Haussammlung brachte ein Ergebnis von öS 49.438,-. Mit weiteren Spenden und einem Förderbeitrag der Gemeinde von öS 10.000,- konnten alle erforderlichen Instrumente mit zusätzlich 2 Saxophonen finanziert werden.

Nach dem Tod von Kapellmeister Hans Altendorfer übernahm Franz Kaltenegger 1964 die Leitung der Kapelle und führte sie zu neuen Zielen.

1971 feierte die auf 36 Musiker angewachsene Kapelle ihr 100-jähriges Bestandsjubiläum mit vielen Gastkapellen und großem Festzelt. Zu diesem Fest wurde erstmals die neue Tracht bestehend aus einer schwarzen Hirschlederhose, beigen Baumwollstutzen, einem weißen Hirtenhemd mit weinrotem Gilet und einem braunen Schalk mit 28 Zierknöpfen getragen. Schwarze Haferlschuhe und ein Trachtenhut mit weinroter Kordel und Erpelfeder vervollständigten die Tracht.

Nach 41 Jahren, davon 23 Jahre als Kapellmeister übergab Franz Kaltenegger 1988 den Taktstock an Johann Altendorfer jun.  Ein Jahr vorher wurde Josef Herbst zum ersten Obmann des Vereins gewählt. Mit neuem Schwung und viel Engagement ging das junge Team an die Arbeit. Erstmals in der Geschichte der Musikkapelle wurden Frauen aufgenommen. 6 junge Musikerinnen traten 1989 aktiv der Kapelle bei. Etwas später wurden die Musikerinnen mit Dirndlkleidern zur Tracht passend eingekleidet. Dem Beispiel der Muisikerinnen-Dirndltracht folgten viele Flachgauer Musikkapellen und sind überall zur Tradition geworden.

Der neue Kapellmeister konnte mit erfolgreicher Jugendarbeit die Kapelle auf 50 Mitglieder erweitern. Abwechselnd wurden einmal jährlich Frühlingskonzerte, Muttertagskonzerte oder Cäciliakonzerte abgehalten.

Zur Finanzierung der immer größer werdenden Ausgaben für Ausbildung, Trachten und Instrumente begann man 1991 zum Jahreswechsel mit dem Neujahranspielen. Zu diesem Anlass besuchten mehrere Bläsergruppen erstmals alle Seehamer Haushalte und überbrachten musikalische Neujahrswünsche. Mit dem von der Musikkapelle gestalteten und überreichten Kalender samt den örtlichen Veranstaltungsterminen konnten beträchtliche Spendeneinnahmen erzielt werden. Diese Tradition wird bis heute fortgesetzt.

1992 fand das erste Großkonzert mit den Nachbarskapelle aus Mattsee und Obertrum in allen 3 Orten statt. Der große Erfolg und die damit intensivierte Freundschaft führte zu einer gemeinsamen Auslandsreise nach Antwerpen. Diese Großkonzerte der 3 Kapellen werden bis heute alle 2 bis 3 Jahre mit großem Publikumsinteresse veranstaltet, besonders erfolgreich auf der Seebühne Seeham.

1995 feierte die Musikkapelle mit einem großen Bezirksmusikfest ihren 125. Geburtstag und konnte im Dachgeschoß des neu errichteten Kindergartens ein allen Wünschen gerecht werdendes neues Probenlokal samt Archiv und Gemeinschaftsraum beziehen. Walter Eder übernahm 1994 die organisatorische Leitung der Musikkapelle als Obmann.

1998 erstes Sommernachtskonzert auf der Seebühne Seeham.

1999  Teilnahme an der Konzertwertung in Neumarkt, mit einem ausgezeichneten Erfolg in der Leistungsstufe A.

2003 Fest der Blasmusik (50 Jahre Flachgauer Blasmusikverband) mit 80 Musikkapellen auch aus Italien, Tschechien, Holland, Zapfenstreich d. Militärmusik, Fackeltanz vor 10.000 Zuschauern im neuen EM-Stadion in Wals Siezenheim.

2004 Rundfunkaufnahme im ORF-Landesstudio (Deutscher Mahnruf und Slavonicka Polka).

2007 wurde der 1. Musikerkirtag zum Patroziniumsfest „Johannes der Täufer“ von der Musikkapelle  auf dem neuen Dorfplatz veranstaltet. Bei diesem zur Tradition gewordenen Fest feiern alle örtlichen Vereine und die gesamte Bevölkerung jährlich mit.

Nach 15 Jahren mit stetiger Weiterentwicklung und vielen organisatorischen Herausforderungen übergibt Walter Eder 2009 die Obmannschaft des Vereins an Norbert Wallner.

2010 übergibt Kapellmeister Johann Altendorfer den Taktstock bei einem abwechselnd dirigierten Frühlingskonzert an Johann Greischberger jun. Für seine 23 jährige, sehr erfolgreiche musikalische Leitung der Musikkapelle wurde Johann Alstendorfer zum Ehrenkapellmeister ernannt und mit der Leo Ertl Medaille in Gold ausgezeichnet.

2011 geht Klarinettist Johann Huber (Strauchmühle) nach 58 Jahren und 2013 Klarinettist Johann Altendorfer sen. nach 60 Jahren in die wohlverdiente Musikerpension. Bei der JHV wurden den längstdienenden Musikkammeraden die Dankesmedaille in Gold des Salzburger Blasmusikverbandes verliehen.

2012 wurden die wöchentlich im Sommer stattfindenden Seekonzerte erstmals mit einer von Stabführer Josef Herbst einstudierten Marschshow ergänzt. Bei lauen Sommerabenden lauschen bis zu 300 Gästen den abwechslungsreichen Stücken von Märschen, Konzertstücken bis Pop- und Filmmusik der Musikkapelle Seeham.

Mit der CD-Aufnahme „Seehamer Klangwellen“ konnte die Musikkapelle Seeham unter Beteiligung einiger Musik- und Gesangsgruppen 2013 eine besondere Herausforderung erfolgreich abschließen und bei einem Gemeinschaftskonzert präsentieren. Erstmals findet sich auf diesem Tonträger auch das „Seeham Lied“ von Professor Ernst Hinreiner.

Aufgrund der sehr erfolgreichen Jugendarbeit in der Volksschule (Bläserklasse) und mit dem neu gegründeten Jugendblasorchester „Bläserkids“ wuchs die Mitgliederzahl auf über 60 Musikerinnen und Musiker. Mit dem Erweiterungsbau beim Kindergarten konnte der gestiegene Platzbedarf 2017 mit einer großzügigen Erweiterung des Musikerheims mit größerem Probenraum, neuem Gruppenprobenraum mit Aufenthaltsraum, Instrumenten- und Techniklager, Notenarchiv, Trachtenarchiv und einem Büro  2017 gedeckt werden.

Die guten Ausbildungsmöglichkeiten in den Musikschulen und beim Blasmusikverband führen zu einer stetigen Verbesserung der musikalischen Qualitäten. TrägerInnen der Jungmusikerleistungsabzeichen in Bronze, Silber und Gold sowie einige Absolventen der Militärmusik Salzburg sind der Stolz der Musikkapelle Seeham. Ebenso erfreulich ist, dass 2019 eine Jungmusikerin der Musikkapelle Seeham die 3-jährige Ausbildung zur Kapellmeisterin erfolgreich abgeschlossen hat. Sarah Pernersteltter ist somit die erste Kapellmeisterin der Musikkapelle Seeham.

Die vielen gemeinsamen Stunden und das gesellige Beisammensein mit Musik führte bei einigen Musikerinnen und Musikern zum Bund fürs ganze Leben: Musikerhochzeiten bei denen die Braut und der Bräutigam aktive Mitglieder der Kapelle waren oder noch immer sind, wurden zu besonderen Festen für die Musikkapelle. Vom Brautblasen, der Hochzeitsmesse, der Tafelmusik, Tanzmusik und Brautstehlen wurde jede Minute mit Musik erfüllt und bis zur Hochzeitsnacht begleitet. Dass der daraus resultierende Nachwuchs Musik in den Genen hat und auch wieder bei der Musikkapelle dabei sein will liegt in der Natur der Sache.

Musik im Jahreskreis:

  • Neujahranspielen
  • Fasching
  • Palmsonntag
  • Hochzeiten und Begräbnisse
  • Musikerkirtag und Dorffest
  • Frühlings, Sommernachts- und Cäciliakonzerte
  • Wöchentliche Seekonzerte im Sommer
  • Musiker- und Vereinsfeste
  • Kirchliche Feste (Fronleichnam, Erntedankfest, Firmung, Erstkommunion)
  • Örtliche und auswärtige Jubiläumsfeste
  • Brauchtumsfeste (Maibaumaufstellen, Sonnwendfeier)
  • Geburtstagsständchen
  • Jahreshauptversammlungen mit den örtlichen Vereinen
  • Weisenblasen zur Weihnachtszeit und bei den Fackelwanderungen
  • Wöchentliche Proben
  • Jugendarbeit (Bläserklasse, Bläserkids, Ferienprogramm im Probenlokal)

Die Trachtenmusikkapelle Seeham hat sich folgende Aufgaben und Ziele gesetzt:

  • Erhaltung, Pflege und Förderung der Blasmusikkultur
  • Pflege des Brauchtums und die musikalische Umrahmung von Festen und Feiern
  • Pflege der Kameradschaft
  • Aus- und Fortbildung von Musikerinnen und Musikern